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Die letzte Urlaubsreise hat uns kürzlich nach Rügen in ein kleines Strandhaus in die Nähe von Binz verschlagen. Die Restraurant-Szene auf Rügen und insbesondere in Binz entwickelt sich immer mehr, so dass man abseits der typischen Fischbrötchen-Buden sowie dem touristischen „Wir bieten neben griechisch-italinischer Küche auch Pellkartoffeln mit Dorsch“-Angebot mittelerweile gut essen gehen kann.

Nicht nur gut, sondern auf hohem Gourmet-Niveau isst es sich in Binz im Restraurant „Freustil“. Der Inhaber hat zuvor im Gourmet-Restaurant des Hotels „niXe“ gekocht und nun im Erdgeschoss vom Vier Jahreszeiten seinen eigenen Laden aufgemacht.
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Es gibt Mittags sowie Abends ein Menü, wobei das Lunch-Menü deutlich fairer bepreist ist. Das Abendmenü ist mit 54 Euro für drei Gänge schon ziemlich ambitioniert, jeder weitere Gang 12 Euro.

An der Stelle noch der Hinweis, dass das 3-Gang-Menü durchaus ausreicht, da einen diverse freundliche Grüße aus der Küche in Kombination mit den eigentlichen Gängen so stark sättigen, dass wir nach unserem 4-Gang-Menü erst mal einen sehr langen nächtlichen Spaziergang über die Binzer Seebrücke nötig hatten, um das Völlegefühl loszuwerden. Die Augen sind eben meist doch größer als der Magen….

Aber kommen wir zum Wesentlichen: Das Restaurant besticht an sich trotz des gehobenen Niveaus durch seine unkomplizierte und modern-gemütliche Atmosphäre mit liebevollen Dekodetails. Auch die Tatsache, dass auf Tischwäsche verzichetet wird, macht es gleich etwas lockerer als in anderen Gourmettempeln.

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Das Menü wechselt regelmäßig und passt sich an das regionale und saisonale Warenangebot an und man kann zwischen einem normalen sowie einen vegetarischen Menü wählen. Die Küche ist modern und verarbeitet diverse Einflüsse – bei dem normalen Menü waren diese eher skandinavisch, beim vegetarischen Menü (ungewöhnlicherweise) eher asiatisch.

Der Abend begann mit gleich vier Grüßen aus der Küche auf einen Schlag: Frittata mit Schinken-Chip, gebeizter Lachs, geräuchtertes Wachtelei, Reh-Consommé (im Uhrzeigersinn).

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Puh gemeinsam mit frischen Brot, dem hausgemachten Salz und der leckeren aufgeschlagenen Butter (sollte man nie vor einem Mehrgang-Menü essen, aber was soll man machen, wenn das Brot noch warm ist!) war man da schon gut satt.

Auftritt 1. Gang: eine Zitronengras-Suppe mit Basilikum-Öl und Landhuhn, dass leider ein bisschen trocken war. Der Sud dafür, war einfach nur lecker und die Darreichungsform in Schüsselchen und Kännchen an sich schon sehr reizend.

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Beim zweiten Gang gab es auf dem vegetarischen Teller ein Curry mit gebratenem Reis – schon sehr ungewöhnlich für ein Gourmetrestaurant und geschmacklich auch eher gut als außergewöhnlich.

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Das normale Menü brachte im 2. Gang Jacobsmuschel mit Variationen der Gurke sowie einem Knäckebrot. Jacobsmuschel auf dem Punkt, Gurke in den verschiedenen Konsistenzen echt spannend und das Knäcke allein von der Anrichtung ein kleines Kunstwerk.

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Kommen wir zum dritten und besten Gang (von mir aus hätte das Menü im Rückblick betrachtet hier starten können) des Abends. Serviert wurde ein pink-rosa Rehrücken, aromatisch, zart, perfekt gebraten (ich tippe auf sous-vide) und dazu Aromen aus dem Wald die gemeinsam und alleine für sich alle super spannende Aromen und Konsistenzen darboten und gemeinsam mit dem leckeren Jus zum perfekten Teller harmonierten.

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Auf der vegetarischen Seite gab es einen mit Tofu-Teriyaki-Bolognese gefüllten Crepe mit diversen Schäumchen und Gemüsen. Auch hier der beste Teller des Menüs.

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Bevor es ans Dessert ging, folgte der nächste Gruß aus der Küche: Joghurt mit hausgemachtem Granola und Beeren. Klingt nicht nur nach Frühstück, sondern schmeckte auch so – war aber lecker.

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Das Dessert mit diversen Varianten vom Apfel, Ahorn-Mousse und Eis mit weißer Schokolade war ein weiteres Highlight. Jeder Löffel schmeckte anders und obwohl man schon so satt war, wollte man einfach nicht, dass sich der Teller leert.

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Begleitet wurde das Menü von korrespondierenden Weinen, wobei die Weinbegleitung mit nochmaligen 8 Euro pro Gang zu Buche schlug. Sicherlich gerechtfertigt, denn die Weinauswahl war durchweg gut, aber der Abend wird dann für ein sehr spannendes und gutes Menü schnell sehr, sehr kostspielig. Aber gut, hinterher ist man immer schlauer und am Ende zählt ja auch der Genuss und nicht unbedingt der Preis.

Fazit: wer sich Urlaub mal was gönnen will und Lust auf Gourmet-Küche in entspannter Atmosphäre hat, ist hier genau richtig. Man sollte jedoch keine revolutionären Geschmackserlebnisse erwarten, insbesondere nicht, wenn man die vegetarische Variante bestellt hat.

freustil
Zeppelinstraße 8, Binz
http://www.freustil.de/

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